Kupfer-Therapie gegen Amyotrophe Lateralsklerose?

Seit etwa 20 Jahren nutzt die ALS-Forschung transgene Mäuse, denen eine Genmutation "eingepflanzt" wird, die bei Menschen eine aggressive Form der ALS verursacht (SOD1 G93A). Auch diese Mäuse entwickeln ALS-artige Symptome und sterben daran - und zwar nach einem vorhersehbarem Zeitablauf. Hunderte von Präparaten wurden an diesen Tieren getestet, aber mehr als eine Lebenszeitverlängerung von 10% wurde dabei nicht erreicht.  Die ALS-Organisation PrizeForLife hat sogar einen Preis ausgeschrieben: 1 Mio $ für die Forschergruppe, die eine Lebenszeitverlängerung von 25% erreicht.

Laut einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "Neurobiology of Disease" hat eine Gruppe um  Joseph Beckmann von der Oregon University in den USA dieses Ziel erreicht. Sie behandelten die Mäuse mit einer Substanz namens CuATSM. Sie erhöht den Kupferspiegel in den Nervenzellen und wird normalerweise als Kontrastmittel bei PET-Scans eingesetzt.

Ob sich die offensichtliche Schutzwirkung des Kupfers auch bei Menschen bestätigen wird, ist natürlich höchst fraglich.  Trotzdem bezeichnete die Chef-Wissenschaftlerin der ALS-Association Lucie Bruijn die Ergebnisse als "sehr faszinierend und sehr ermutigend". Gleichzeitig sprach sie eine Warnung aus: ALS-Patienten sollten nicht versuchen, den gleichen Effekt mit kupferhaltigen Nahrungsergänzungmitteln zu erzielen.  Diese würden von der Blut-Hirn-Schranke abgeblockt und somit nur den Kupferspiegel im Blut und nicht in den Nervenzellen erhöhen, was mehr schaden als nutzen würde. Sie kündigte an, dass die ALS-Association weitergehende Forschung zu dem Thema finanzieren werde.

Laut einer Stellungnahme von Joe Beckmann (s. U.)  hat eine US-australische Firma namens Procypra bereits die Lizenzen zum Vertrieb von CuATSM zur Behandlung von ALS erworben. ereits im April soll in Australien eine erste klinische Studie zur Sicherheit und Verträglichkeit von CuATSM beginnen.  In die Studie sollen auch Patienten ohne SOD1-Mutation einbezogen werden.  Diese Frage ist relevant, weil unter Wissenschaftlern umstritten ist, ob die Methode auch bei sporadischen ALS Formen Aussicht auf Erfolg hat.

Stellungnahme von Joe Beckmann zum Thema

Artikel in deutscher Sprache

Erläuterungen von Rob Goldstein,  ALSTD

 

http://www.alzforum.org/news/research-news/copper-rescue-als-mice